“Gentoo” ist ein unglaublich vielseitiges und skalierbares Profi-Linux. Es gibt keinen Installer, kein Setup, kein gar nichts. Die einzige Grundlage ist eine kleine Live-CD, mit dessen Tools das Gentoo zusammen gebaut wird. Heute zeige ich Euch grob, wie die Installation von Gentoo Linux abläuft. Folgendes ist kein Tutorial, sondern nur ein grober Überblick. Auf Basis der offiziellen Installation Docs, gehe ich wie folgt vor:
Zuerst lade ich mir eine Gentoo-Live-CD herunter. Diese hat den Vorteil, dass alle Tools, die für die Installation benötigt werden, schon vorinstalliert sind. Daraufhin boote ich die CD mit dem Standardkernel “gentoo” und ohne jegliche Parameter in einer testweise aufgesetzten DomU. Während dem Bootvorgang wähle ich “10″ für eine Deutsche Tastaturbelegung und schon befinde ich mich im Livesystem.
Sämtliche Netzwerkspielsachen ignoriere ich, weil ich dank der Virtualisierung schon einfache Netzwerkgeräte zugewiesen habe, die im normalen Bootvorgang automatisch erkannt wurden.
Jetzt kommt die Festplattenpartitionierung dran. Mein Plan sieht auf der 8 Gb-Testfestplatte wie folgt aus:
- 32 Mb Bootpartition (Ext2)
- 2048 Mb Swappartition
- 6112 Mb Rootpartition (JFS)
Mit “fdisk” erstelle ich nun die Partitionstabelle, formatiere anschließend meine Partitionen und mounte sie.
Durch den Befehl “date” überprüfe ich die UTC-Zeiteinstellungen.
Jetzt ist das System selbst genug vorbereitet, nun folgen noch die Festplatteninhalte. Hierzu hat Gentoo ein interessantes Prinzip entwickelt. Es gibt verschiedene Stagearchive mit unterschiedlichen Systemanwendungen und Ordnerstrukturen – zur Einfachheit verwende ich für diesen Einblick das simpelste Archiv, nämlich “Stage 3″. Ich lade es direkt in der VM von einem offiziellen Repository-Mirror herunter. Außerdem benötige ich einen aktuellen Portage-Snapshot, welcher sämtliche Infos für installierbare Pakete enthält. Weil ich gerade dabei bin, lade ich diesen auch gleich herunter. Zum Herunterladen verwende ich aus Bequemlichkeit den Consolenbrowser “links”.
Nachdem beide Archive fertig kopiert wurden, entpacke ich sie. Das kann je nach Rechnerleistung ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen…
Jetzt ist es an der Zeit, grundlegende Compileroptionen zu setzen. In Gentoo wird jedes einzelne Paket auf dem Rechner vor der Installation selbstständig compiliert, damit es perfekt auf andere Pakete und die Hardwarekonfiguration abgestimmt ist. Deshalb ist es wichtig, dass der Compiler richtig konfiguriert wird. Weil es sich in meinem Fall nur um ein Testsystem handelt, übernehme ich einfach die empfohlenen Standardeinstellungen.
Jetzt schreibe ich noch ein paar Netzwerkeinstellungen, zum Beispiel die Nameserverdaten.
Danach mounte ich noch ein paar Systemrelevante “Geräte”, wie /proc und /dev, und chroote mich in das zukünftige System.
Toll, nun befinde ich mich in meinem Test-Gentoo. Ich spiele noch ein paar Portage-Updates ein, um die aktuellsten Sources verwenden zu können, und passe anschließend bestimmte globale Variablen an.
Nun wähle ich mein Profil. Profile sind ein besonderer Leckerbissen in Gentoo, denn damit kann ich ungefähr bestimmen, wie mein späteres System aussehen soll. Was will ich eigentlich? Ich glaube, für meine Beispielinstallation will ich einen kleinen Webserver aufsetzen. Deshalb wähle ich auch das Standardprofil für Server (“default/linux/x86/10.0/server”).
Es ist jetzt an der Zeit, meine USE-Flags zu setzen. USE-Flags haben den Vorteil, dass ich damit die einzelnen Sources schon beim compilieren genau anordnen kann, wie sie sich später mit anderer Software verhalten sollen. Für den kleinen Test-Webserver eignen sich deshalb natürlich nur webserverbezogene Flags.
Danach passe ich noch die Spracheinstellungen für das System an.
Jetzt komme ich zu einem wichtigen Teil, und zwar den Kernel. Im Beispiel setze ich die Wichtigkeit aber etwas herab, weil ich eine universelle DomU-Konfiguration gewählt habe und auch nicht großartig erklären will, wie man den perfekten Kernel konfiguriert. Das würde für diesen kleinen Einblick viel zu weit reichen. Will man Gentoo längere Zeit verwenden, lohnt sich aber ein perfekt konfigurierter Kernel auf jeden Fall.
Mit “emerge -anv gentoo-sources genkernel” installiere ich jetzt einen sehr verallgemeinerten Standardkernel. Mit “genkernel all” baue ich ihn anschließend. Dieser Vorgang kann eine Weile dauern… Um die Zeit zu überbrücken, trinke ich einen Kaffee.
Es ist jetzt an der Zeit, die Datei /etc/fstab anzupassen, um die Partitionen später schnell und einfach automatisch beim Bootvorgang zu mounten. Im Beispiel passe ich die vorinstallierte Datei einfach ein wenig an die Realität an.
Anschließend kommt noch einmal das Netzwerk dran. Ich stelle Hostname, Netzwerkgeräte etc. ein, um sie beim ersten Bootvorgang sofort nutzen zu können. Das Gerät “eth0″ ist mein primäres Netzwerkinterface, das direkt mit dem Hostsystem bzw. der Dom0 verbunden ist. Aus Einfachheit habe ich dort zu Testzwecken einen DHCP-Server installiert. Die Dom0 soll ihre IP einfach via DHCP beziehen.
Natürlich braucht meine Maschine auch ein Rootpasswort, welches ich jetzt festlege.
So. Jetzt ist die Gentoo-Installation eigentlich weit genug vorbereitet, um sie nach ein paar Anpassungen an den Spracheinstellungen schnell und einfach verwenden zu können. Ein paar Dienste wären aber für die Grundinstallation noch empfehlenswert, beispielsweise eine Software, die automatisch meine Logfiles schreibt und ein Cron-Daemon zur zeitgesteuerten Ausführung von Befehlen. Ebenso wäre es praktisch, jetzt ein paar Dateisystemtools zu installieren. Damit lassen sich die Dateisysteme komfortabler verwalten. Ein DHCP-Client ist auch von Nutzen…
Einen sehr wichtigen Punkt habe ich noch für den Schluss aufbewahrt: Die Installation des Bootloaders. Ich habe mich für Grub entschieden, weil dieser für meine Zwecke die beste Wahl ist. Zuerst wird er mit “emerge -anv grub” installiert, danach konfiguriert. Bevor ich “grub-install” verwende, brauche ich noch eine aktuelle /etc/mtab-Datei. Die erzeuge ich einfach schnell auf Basis der /etc/fstab.
Jetzt kann ich das Stage 3-Archiv und den Portage-Tree löschen, weil ich sie sicher nicht mehr benötige.
Mit “exit” verlasse ich das Chroot-Jail, unmounte die ganzen Installationsverzeichnisse und starte das System neu.
Glückwunsch, nun läuft ein einfaches Gentoo :-)
Diese Installation braucht bei mir ca. 1,9 Gb.
Ich könnte jetzt weitere Anpassungen für Webserver vornehmen, sowie Apache2, PHP und MySQL installieren. Das hat jetzt weniger mit Gentoo selbst zu tun, weshalb ich es hier nicht weiter dokumentiere. Wer daran interessiert ist, kann sich von den Gentoo-Docs noch sehr gute – und vor allem “interessant” geschriebene – Tutorials holen.
Für Fragen und Antworten stehe ich natürlich jederzeit zur Verfügung ;-)

gentoo ist ein absolutes nerd/geek-linux :D
aber man kann viele lustige dinge nach der installation machen!
Volle Zustimmung :D